Montag, 20. November 2017

Unbezahlt - aber unbezahlbar!

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie die Freiwilligen Feuerwehren in der BRD eigentlich funktionieren und wie viel es davon überhaupt gibt?
Denken auch Sie, dass Freiwillige Feuerwehrleute für ihren Einsatz Geld bekommen?
Dann sollten Sie jetzt unbedingt weiterlesen.

„Was, Sie machen das nicht hauptberuflich?“ Diese Frage hören auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Altenholz immer wieder. Viele Menschen glauben, dass die Einsatzkräfte, die nach fünf bis zehn Minuten am Einsatzort eintreffen, mit dieser Tätigkeit ihr tägliches Brot verdienen. Doch dem ist nicht so: Fast alle Feuerwehrangehörigen leisten ihren Dienst freiwillig und ehrenamtlich, das heißt unbezahlt - aber unbezahlbar!

Eine Freiwillige Feuerwehr (die offizielle Abkürzung lautet FF) ist eine öffentliche Feuerwehr, die sich hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern zusammensetzt. Sie ist eine Institution der Gemeinde, zu deren Aufstellung und Unterhaltung jede Kommune Sorge zu tragen hat. Im Vergleich zur Freiwilligkeit der Feuerwehrleute ist die Feuerwehr als öffentliche Einrichtung eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Gemeinde. Der Bürgermeister ist der "oberste Feuerwehrmann" im Ort!  

In der BRD leben rund 82 Millionen Menschen und davon sind bundesweit rund 1,2 Millionen in den Feuerwehren aktiv. Die übergroße Zahl der Kamerad(inn)en sind in Freiwilligen Feuerwehren organisiert - ca. 1,1 Millionen. Nur etwa 27.000 unserer Mitstreiter(innen) sind bei einer Berufsfeuerwehr tätig. Das bedeutet, dass rund 96 % der Feuerwehrleute in diesem Land ihren Dienst freiwillig und ehrenamtlich leisten - wir bekommen dafür kein Geld! Ohne uns Freiwillige ist aber ein effektiver Brandschutz und die Gefahrenabwehr im zivilen Bereich unmöglich!

Diese Tatsache sollten sich vor allem unsere Kommunalpolitiker bei der Streichung oder Rückstellung von Investitionen für die Feuerwehr oder bei der nächsten Einsparmaßnahme im Bereich Brandschutz immer wieder vor Augen halten. Das könnte im Extremfall sogar Leben und den Freiwilligen Feuerwehrleuten die Motivation kosten! Wenn das letzte Feuerwehrauto eingespart wurde und kein Freiwilliger mehr sein Ehrenamt ausübt, erst dann werden Sie festellen, dass Geld kein Leben retten oder Feuer löschen kann!

 

 

Im Gegensatz zur Freiwilligen Feuerwehr besteht eine Berufsfeuerwehr (z.B. BF Kiel) aus rein hauptamtlichen Einsatzkräften, d. h. diese Feuerwehrleute bekommen für ihre Tätigkeit Geld. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, in den meisten Städten würde es eine Berufsfeuerwehr geben, wird der Brandschutz in der BRD hauptsächlich durch freiwillige Kräfte sichergestellt. In den ca. 2.000 Städten in Deutschland existieren in lediglich ca. 110 dieser Städte Berufsfeuerwehren. In allen diesen Städten gibt es zur Verstärkung der Berufsfeuerwehr immer auch freiwillige Abteilungen.

Eine weitere Feuerwehr in der Bundesrepublik stellt die Werkfeuerwehr dar (z.B. HDW Werkfeuerwehr in Kiel). Davon gibt es knapp 1000 Stück mit rund 33.000 Berufsfeuerwehrfrauen und -männern. Auch die Bundeswehr betreibt Feuerwehren (z.B. die Bundeswehr-Feuerwehr im Marinestützpunkt Kiel). Davon gibt es ziemlich genau 78 Standorte und diese beschäftigen rund 3.300 Feuerwehrleute.

Mittlerweile gibt es in diesem Land auch wieder Pflichtfeuerwehren. Geschichtlich betrachtet ist die Pflichtfeuerwehr der Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr. Eine Pflichtfeuerwehr wird immer dann befohlen, wenn sich nicht genug Freiwillige bereit erklären, dieses Ehrenamt zu begleiten. Die Verpflichtung geschieht immer durch die Kommune, denn diese ist in jedem Fall für den abwehrenden Brandschutz und die Gefahrenabwehr verantwortlich.

 

 

Es kommt heute noch relativ selten vor, dass eine Gemeinde gezwungen ist, eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen. In der näheren Vergangenheit wurde dieser Schritt beispielsweise notwendig, wenn ein Großteil der Feuerwehrleute aus Protest aus der Freiwilligen Feuerwehr ausgetreten ist. Gerade in näherer Zukunft könnte dies aber wieder öfter der Fall werden, denn viele Feuerwehren sind am Tage aufgrund der weiten Fahrtwege der Kamerad(inn)en zu ihren Arbeitsplätzen und aufgrund uneinsichtiger Arbeitgeber, die ihre Angestellten trotz eindeutiger gesetzlicher Regelungen nicht zum Einsatz fahren lassen, während der Hauptarbeitszeit nur noch sehr schwach besetzt. Wir hoffen natürlich für solche Chef´s, dass Sie niemals vor Ihrem eigenen brennenden Haus stehen oder bei einem Unfall vergebens auf die Feuerwehr warten, weil die Kamerad(inn)en ihren Arbeitsplatz nicht verlassen dürfen! Denken Sie mal drüber nach.

 

Zusammenfassung der Zahlen:

  • rund 24.000 Freiwillige Feuerwehren mit ca. 1,1 Million Freiwilligen Feuerwehrfrauen und -männern
  • rund 1000 Werk- bzw. Betriebsfeuerwehren mit ca. 33.000 Berufsfeuerwehrleuten
  • rund 110 Berufsfeuerwehren mit ca. 27.000 Beamten/Angestellten
  • rund 80 Bundeswehr-Feuerwehren mit ca. 3.300 Beschäftigten
  • 3 Pflichtfeuerwehren